Wie alles begann…
Wie prägend die HSU für den Start von ILIAS war, veranschaulichte Prof. Dr. em. Wilfried Hesser in seiner Keynote. Er nahm die Teilnehmenden mit auf eine Zeitreise durch 25 Jahre ILIAS an der HSU. Am Anfang standen Überzeugungsarbeit gegenüber der Universitätsleitung, die Einrichtung einer Koordinierungsstelle E-Lernen und die grundlegende Neugestaltung von Lehre und Lernorganisation. Von Beginn an gehörte dazu mehr als die Bereitstellung einer Software. Für den erfolgreichen Betrieb einer E-Learning-Umgebung braucht es auch Beratung, Services und Unterstützung. An der HSU wurde hierfür von Marion Hartung ein entsprechendes Konzept entwickelt und mit Leben gefüllt.
Ebenso früh zeigte sich eine Erkenntnis, die bis heute prägend für ILIAS ist: Gemeinsam geht es besser. Aus ersten Kontakten entstand ein tragfähiges Netzwerk in Deutschland und weit darüber hinaus, das zum Fundament der heutigen ILIAS-Community wurde.
Open Source ist nicht kostenlos
Daran anschließend widmete sich Matthias Kunkel in seinem Vortrag „Challenges in ILIAS Development“ der sogenannten – und damit einer Herausforderung, die viele Open-Source-Projekte betrifft: Software kann lizenzkostenfrei nutzbar sein, ist aber deshalb noch lange nicht kostenlos.
Der ILIAS-Verein übernimmt mit den Mitgliedsbeiträgen wichtige Aufgaben: Serverinfrastruktur und IT-Services, die Koordination der Softwareentwicklung, Release- und Testmanagement, Öffentlichkeitsarbeit sowie die Sprachenpflege. Gleichzeitig bleiben viele Aufgaben, die für die langfristige Qualität und Zukunftsfähigkeit der Software entscheidend sind. Diese sind auf weitere Beiträge aus der Community angewiesen. Dazu gehören etwa Bugfixing, Barrierefreiheit, die Einführung neuer UI-Elemente, Pflege und Refactoring, die Entwicklung neuer Features oder auch der Ersatz abgekündigter Features.
Die Botschaft war entsprechend deutlich: Basispflege braucht die Community. Wer digitale Souveränität sichern möchte, muss bereit sein, regelmäßig in die Pflege und Weiterentwicklung der gemeinsam genutzten Software zu investieren. Open Source bedeutet eben nicht, dass keine Kosten entstehen – sondern dass Verantwortung gemeinsam getragen werden kann.
KI & Ethik: Welche Werte bringt KI mit?
Mit derwechselte der Blick anschließend von der Geschichte der Community zu einer der zentralen Zukunftsfragen digitaler Bildung.
Die Frage nach KI ist dabei längst nicht mehr auf technische Möglichkeiten beschränkt. Wenn generative KI in Lernplattformen integriert wird, geht es auch darum, welche Werte, Annahmen und Entscheidungen in diesen Systemen stecken – und wer darüber bestimmt. Sprache ist dabei das entscheidende Medium. In Simanowskis Keynote wurde deutlich, wie verführerisch die “Sprachmaschinen” Sprache so formen, dass eigenes Denken langsam und unzureichend erscheint. Dabei bleibt es gerade deshalb unverzichtbar: Nur durch eigenes Denken lassen sich automatisierte Outputs kritisch bewerten und gegebenenfalls korrigieren.
Damit war ein Thema gesetzt, das sich am zweiten Konferenztag weiter konkretisieren sollte.
Ein Rezept für barrierefreie Lerninhalte in ILIAS
Das Thema Digitale Barrierefreiheit hat auf den ILIAS-Konferenzen ebenfalls seit vielen Jahren einen festen Platz. So präsentierte Andrea Schmitz (HHU Düsseldorf) zusammen mit Kendra Grotz (FH Dortmund, ILIAS.nrw) vor einem sehr gut gefüllten Seminarraum neue Materialien für Lehrende, ganz nach dem Motto “Befähigung statt Pflichtthema”. Anhand einer Handreichung und einer Checkliste können sie je nach Vorwissen, Zeit und Motivation ihren eigenen Einstieg finden und ihren ILIAS-Kurs anhand der Checkliste überprüfen. Der Gestaltung dieser Dokumente liegen Überlegungen zugrunde, die Komplexität in Bezug auf Barrieren in ILIAS auf das Nötigste zu beschränken. Denn allein bei der Erstellung von Lerninhalten begegnen den Lehrenden Objekteinstellungen, Auswahl und Anordnung von Unterobjekten und vor allem die Gestaltung mit dem ILIAS-Seiteneditor, inklusive Einbindung von Medien. Bei jedem dieser Schritte können Barrieren für Studierende entstehen, die später mit den Inhalten lernen und interagieren wollen.