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03

Juni
2026
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Das war der Tag der KI-gestützten Lehre 2026
Ein Beitrag von ILIAS Kompetenzzentrum Kommentare deaktiviert für Das war der Tag der KI-gestützten Lehre 2026 Beiträge, Veranstaltungen

Das war der Tag der KI-gestützten Lehre 2026

Am 20. Mai 2026 stand an der FH Dortmund alles im Zeichen der Frage, wie Künstliche Intelligenz die Hochschullehre verändert – und wie Lehrende, Studierende und Institutionen diesen Wandel aktiv gestalten können. Der „Tag der KI-gestützten Lehre 2026“ auf dem Campus Sonnenstraße brachte Lehrende, Mitarbeitende und Interessierte zusammen, um aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Praxisbeispiele rund um KI in der Hochschulbildung zu diskutieren. Den inzwischen 5. Tag der Lehre organisierte die Bibliothek+, die die Gelegenheit nutzte, sich und ihre Services vorzustellen.

Nach einem Get-Together bei Fingerfood, das bereits erste Gelegenheit zum Austausch bot, eröffnete der Prorektor für Lehre, Studium und Internationales Prof. Dr. Stephan Weyers die Veranstaltung. Danach ging es los mit drei Impulsvorträgen, die nicht nur technologische Möglichkeiten, sondern vor allem die Frage, wie KI sinnvoll, reflektiert und didaktisch gewinnbringend eingesetzt werden kann, behandelten.

"Aber die KI hat gesagt..." - KI kritisch reflektieren

Einen wichtigen inhaltlichen Schwerpunkt setzte Prof. Dr. Michael Kühler (Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften) mit seinem Impulsvortrag „KI in der Lehre: Epistemische Autorität, Deskilling und menschliche Autonomie“. Kühler thematisierte, wie generative KI zunehmend als vermeintlich verlässliche Wissensquelle wahrgenommen wird – häufig mit Aussagen wie „Ich frag erstmal die KI“ oder „Aber die KI hat gesagt …“. Der Vortrag machte deutlich, dass sich dadurch neue Spannungsfelder zwischen Lehrenden und KI-Systemen als epistemische Autoritäten ergeben können. Besonders kritisch sei dabei, dass Wahrheit zunehmend durch Wahrscheinlichkeiten – denn dies ist die Basis generativer KI – ersetzt werde. Die Diskussion machte deutlich, dass sich Hochschulen zunehmend mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie Studierende lernen können, KI-generierte Inhalte kritisch einzuordnen, anstatt diese ungeprüft zu übernehmen. Auch das Thema „Deskilling“ spielte eine zentrale Rolle: Wenn Aufgaben dauerhaft an KI delegiert werden, bestehe die Gefahr, dass wichtige akademische Fähigkeiten verloren gehen oder gar nicht erst entwickelt werden. Die Frage, welche Kompetenzen Studierende künftig weiterhin selbst erwerben müssen, zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussionen. Daran anschließend wurde die Bedeutung menschlicher Autonomie hervorgehoben. Blindes Vertrauen in KI könne dazu führen, dass Reflexion und eigenständige Entscheidungsprozesse zunehmend ausgelagert werden. Anschaulich illustrierte Kühler dies durch ein Beispiel aus dem Alltag  – etwa wenn Autofahrende Navigationssystemen mehr vertrauen als realen Verkehrsschildern.

Der Vortrag zeigte deutlich: KI kann die Lehre bereichern – vorausgesetzt, ihr Einsatz bleibt kritisch reflektiert und begleitet.

Prof. Dr. Michael Kühler

Praxisnahe KI-Projekte

Neben den theoretischen und ethischen Fragestellungen standen vor allem konkrete Anwendungen im Mittelpunkt der Veranstaltung. Vorgestellt wurden zwei Projekte und Werkzeuge aus dem Kontext der FH Dortmund, die bereits heute KI-gestützte Lehr- und Lernprozesse umsetzen.

IPPOLIS: KI-Unterstützung für projektorientiertes Lernen

Andre Maria Cordes (IDiAL) stellte das Projekt IPPOLIS (Intelligente Unterstützung projekt- und problemorientierter Lehre und Integration in Studienabläufe) vor, das Teil der Bund-Länder-Initiative „Künstliche Intelligenz in der Hochschulbildung“ ist. Am Fachbereich Informatik der FH Dortmund stärkt IPPOLIS KI-Lerninhalte und fördert problem- und praxisorientiertes Lernen durch neue, KI-basierte Lernunterstützungen. Ziel ist, Lehraktivitäten und Lernprozesse mit KI-Werkzeugen zu verbessern, diese fächerübergreifend in konkreten Bachelorveranstaltungen einzusetzen und systematisch zu evaluieren. Im Rahmen des Projekts entstanden vier Open-Source-Werkzeuge, die in der Lehre eingesetzt oder individuell angepasst werden können: Sogenannte Scaffolds (“Gerüste”) unterstützen die Methodenkompetenzen bei formalen Lernprozessen. Die Unterstützung passt sich mit Hilfe von KI an die Bedürfnisse der Lernenden an – bei zunehmender Kompetenz können die Scaffolds entfernt werden. Um Fallstudien in der Lehre zu verbessern, wurde die KI-gestützte Lernumgebung “Ippolis Analyse” mit Schwerpunkt auf Datenanalyse entwickelt. Die KI erzeugt für unterschiedliche Anforderungen und Schwierigkeitsgrade maßgeschneiderte Fallstudien. Mit “Ippolis Write” wurde ein Tool für automatisiertes Schreib-Feedback für wissenschaftliche Arbeiten entwickelt. Es kann beispielsweise Feedback zu Layout-Konsistenz, Sprachmustern oder der referentiellen Integrität von Abbildungen und Tabellen geben und formale Fehler auffinden. Mit “Ippolis Chat” steht ein Chatbot zur Verfügung, der Studierenden bei allgemeinen Fragen zu ihrem Studium behilflich ist und bereits bestehende Informationsquellen bündelt.

IPPOLIS Projektwebseite
IPPOLIS Write
Tool zur Generierung von (formalem) Feedback zu Abschlussarbeiten, Hausarbeiten oder wissenschaftlichen Beiträgen
IPPOLIS Scaffolds
Tool zur Unterstützung des Lernens von z.B. Vorgehensmodellen, Referenzmodellen oder Prozessmodellen
Andre Maria Cordes

Learnslice: Personalisierte Lernpfade mit KI

Alesia Kunz stellte ihr Start-up LearnSlice vor, einen KI-gestützten Mentor für Lernende und Berufseinsteiger*innen. Die Lernplattform hat zum Ziel, die Lernmotivation von Auszubildenden zu steigern und die Abbruchquoten zu verringern. Der chatbasierte KI-Mentor wurde für Unternehmen entwickelt und unterstützt individuelle Lernprozesse durch personalisierte Lernpfade, kontinuierliches Feedback und praxisnahe Aufgaben. LearnSlice analysiert vorhandene Kompetenzen, Lernziele und Anforderungen eines Berufsbildes und erstellt darauf aufbauend maßgeschneiderte Lernangebote. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Verbindung von Lernen und praktischer Anwendung sowie auf der Begleitung von Lernenden durch Feedback- und Fortschrittsanalysen. Gamification-Elemente sowie realitätsnahe Prüfungs- und Arbeitssimulationen, die den Transfer zwischen Theorie und Praxis fördern sollen, ergänzen das Konzept. Das Projekt verdeutlichte eindrucksvoll, wie KI nicht nur als Werkzeug zur Wissensvermittlung, sondern auch als individuelle Lernbegleitung eingesetzt werden kann.

Learnslice
Alesia Kunz

Gallery Walk: KI-Tools zum Ausprobieren

Bei Kaffee und Kuchen starteten nach den Impulsvorträgen alle in den anschließenden Gallery Walk. Hier konnten die Teilnehmenden unterschiedliche KI-Projekte und interaktive Demonstrationen direkt erleben und mit den Projektverantwortlichen sowie den Referent*innen der Impulsvorträge ins Gespräch kommen.

Neben IPPOLIS und Learnslice gab es noch weitere spannende Stationen, die zum Austausch und zum Ausprobieren einluden:

  • Claudia Mai (Fachbereich Design):
    Automatisierte Research-Prozesse

  • Steven Thiele (Fachbereich Design):
    Interaktive Installationen „Your Street, your Future“ und “Human Type”

  • Dominik Fromme (Fachbereich Informationstechnik):
    KI-Anwendungen in der Herzchirurgie

  • Tim Streckert (Fachbereich Informationstechnik):
    KI-Anwendungen in der medizinischen Robotik

  • Benjamin Hecker (Fachbereich Maschinenbau):
    Predictive Maintenance am Reifen

  • Simon Hemmers (Fachbereich Maschinenbau):
    KI-gestützte Fehlererkennung am 3D-Drucker

  • Vincent Beringhoff (Bibliothek+, Videolabor):
    KI-gestützte Avatare

  • Eva Schameitat und Johanna Munkelt (Bibliothek+):
    Datenbanken mit KI-Tools für die Recherche, die nur auf die Datenbasis der jeweiligen Datenbank zugreifen: Scopus (Zitations- und Abstractdatenbank), Statista (Fakten, Statistiken, Studien) und Wiso (Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)

Der Gallery Walk bot einen niedrigschwelligen Zugang zu aktuellen KI-Anwendungen und machte deutlich, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten von KI in Lehre, Forschung und Praxis inzwischen sind.

  • Foto: Johanna Munkelt und Eva Schameitat stehen neben einem Stehtisch mit einem Monitor
  • Foto: Claudia Mai und Steven Thiele im Gespräch
  • Foto: großer Bildschirm, der eine abstrakte weiße Figur auf dunklem Hintergrund zeigt, darunter ein Poster mit der Aufschrift "Human Type"
  • Foto: 3D-gedruckte Modelle von Blutgefäßen auf einem orangefarbenen Tisch vor Informationspostern und einem Schild mit der Aufschrift 'Fachbereich Informationstechnik'

Der Tag der KI-gestützten Lehre 2026 zeigte eindrucksvoll, dass KI längst in der Hochschullehre angekommen ist – nicht als Zukunftsvision, sondern als konkrete Realität. Gleichzeitig wurde deutlich, dass technologische Innovation immer auch Fragen nach Verantwortung, Kompetenzentwicklung und kritischer Mediennutzung mit sich bringt.

Die Veranstaltung bot nicht nur spannende Einblicke in aktuelle Projekte, sondern vor allem einen wichtigen Raum für Diskussionen über die Zukunft des Lernens und Lehrens mit KI an der FH Dortmund. Von einem heftigen Regenschauer ließen sich die Teilnehmenden nicht abschrecken, und so klang der Tag beim gemeinsamen Grillen und bei angeregten Gesprächen im Innenhof der Sonnenstraße aus.

Wir freuen uns auf weitere Gelegenheiten zum Austausch und auf den nächsten Tag der Lehre!

  • Foto: Blick aus den hinteren Reihen des Vortragsraums auf die Leinwand, dort ist zu lesen: "Herzlich Willkommen zum Tag der KI-gestützten Lehre"
  • Foto: Stephan Weyers am Rednerpult
  • Foto: Drei Personen stehend im Gespräch
  • Foto: Frau in beigem Mantel bedient sich an einem Buffet
  • Foto: Vier Personen stehend im Gespräch

Headerbild von: ILIAS Kompetenzzentrum, Fotos Vincent Beringhoff
Fotos von: Vincent Beringhoff, Markus Kroll, Michiko Uike-Bormann

  • Tags :KI
  • Tag der Lehre
  • Veranstaltungen
Barrierefrei im Mai: Aktion zum GAAD 2026

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