Einen wichtigen inhaltlichen Schwerpunkt setzte Prof. Dr. Michael Kühler (Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften) mit seinem Impulsvortrag „KI in der Lehre: Epistemische Autorität, Deskilling und menschliche Autonomie“. Kühler thematisierte, wie generative KI zunehmend als vermeintlich verlässliche Wissensquelle wahrgenommen wird – häufig mit Aussagen wie „Ich frag erstmal die KI“ oder „Aber die KI hat gesagt …“. Der Vortrag machte deutlich, dass sich dadurch neue Spannungsfelder zwischen Lehrenden und KI-Systemen als epistemische Autoritäten ergeben können. Besonders kritisch sei dabei, dass Wahrheit zunehmend durch Wahrscheinlichkeiten – denn dies ist die Basis generativer KI – ersetzt werde. Die Diskussion machte deutlich, dass sich Hochschulen zunehmend mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie Studierende lernen können, KI-generierte Inhalte kritisch einzuordnen, anstatt diese ungeprüft zu übernehmen. Auch das Thema „Deskilling“ spielte eine zentrale Rolle: Wenn Aufgaben dauerhaft an KI delegiert werden, bestehe die Gefahr, dass wichtige akademische Fähigkeiten verloren gehen oder gar nicht erst entwickelt werden. Die Frage, welche Kompetenzen Studierende künftig weiterhin selbst erwerben müssen, zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussionen. Daran anschließend wurde die Bedeutung menschlicher Autonomie hervorgehoben. Blindes Vertrauen in KI könne dazu führen, dass Reflexion und eigenständige Entscheidungsprozesse zunehmend ausgelagert werden. Anschaulich illustrierte Kühler dies durch ein Beispiel aus dem Alltag – etwa wenn Autofahrende Navigationssystemen mehr vertrauen als realen Verkehrsschildern.
Der Vortrag zeigte deutlich: KI kann die Lehre bereichern – vorausgesetzt, ihr Einsatz bleibt kritisch reflektiert und begleitet.