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09

Feb.
2026
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Aus dem Maschinenraum der ILIAS-Community: Alles wird sich gendern
Ein Beitrag von ILIAS Kompetenzzentrum Kommentare deaktiviert für Aus dem Maschinenraum der ILIAS-Community: Alles wird sich gendern Beiträge, ILIAS

Aus dem Maschinenraum der ILIAS-Community: Alles wird sich gendern

Implementierung von inklusiver Sprache in ILIAS

Inklusive Sprache ist kein sprachliches Feintuning für besonders motivierte Redaktionen. Im Hochschulkontext berührt sie ganz grundlegende Fragen von Verständlichkeit, Barrierefreiheit und Gleichstellung. Genau deshalb wird bereits seit mehreren Jahren systematisch an inklusiver Sprache in ILIAS gearbeitet – mit einer klaren terminologischen Grundlage und immer mit Blick auf die Praxis.

Im Mittelpunkt steht dabei weniger die Frage nach einzelnen Schreibweisen als vielmehr der Umgang mit Sprache als Bestandteil einer Software, die täglich von Lehrenden, Studierenden und administrativ Tätigen genutzt wird. “Gendern”, wie es oft verkürzt heißt, ist im Rahmen der gemeinsamen Weiterentwicklung von ILIAS nicht nur eine Frage notwendiger sprachlicher Gleichstellung und Repräsentation aller Geschlechter. Es ist ebenso eng verknüpft mit Klarheit, Orientierung und guter Nutzbarkeit.

Auch dieses Thema gehört zu denen, über die wir in unserer Beitragsserie Aus dem Maschinenraum der ILIAS-Community berichten wollen: Die gemeinsame, intensive Arbeit über einen längeren Zeitraum, die jedoch eher im Hintergrund bleibt und in ILIAS selbst nicht immer auf den ersten Blick sichtbar ist, aber einen entscheidenden Unterschied macht.

ILIAS als inklusives LMS

Kendra Grotz bei der regelmäßigen Präsentation zum Stand der inklusiven Sprache in ILIAS auf der Entwicklungskonferenz

Kendra Grotz arbeitet an der FH Dortmund im Projekt ILIAS.nrw und beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit inklusiver Sprache und digitaler Barrierefreiheit. In diesem Rahmen verantwortet sie auch die Arbeit der Arbeitsgruppe ‘Inklusive Sprache’. Sprache wird hier nicht als dekoratives Beiwerk verstanden, sondern als strukturierendes Element, das Wissen abbildet und Handlungen steuert.

Diese Perspektive ist für ILIAS als Lernmanagementsystem zentral. Begriffe sind hier nicht bloß Beschriftungen, sondern ein wesentlicher Teil der User Experience. Sie entscheiden mit darüber, ob Funktionen verstanden, Rollen korrekt eingeordnet und Prozesse nachvollzogen werden können.

Begriff und Benennung als Ausgangspunkt

Allen Überlegungen und Diskussionen liegt eine grundlegende Unterscheidung zugrunde: die zwischen Begriff und Benennung. Der Begriff beschreibt das zugrunde liegende Konzept, die Benennung ist das sprachliche Etikett, das diesem Konzept zugewiesen wird. In gewachsenen Softwaresystemen fallen diese beiden Ebenen jedoch nicht immer sauber zusammen.

Genau hier setzt die Terminologiearbeit an. Wenn Benennungen ungenau, widersprüchlich oder historisch belastet sind, erschwert das nicht nur inklusive Sprache, sondern auch das Verständnis der Funktion selbst. Für ILIAS bedeutet das, Sprache als Wissensspeicher ernst zu nehmen und systematisch zu überprüfen.

Die Arbeitsgruppe

Die Arbeitsgruppe Gendermainstreaming hat zunächst etwa 50 maskuline Bezeichner identifiziert, die in der Sprachdatei des ILIAS-Kerns verwendet werden: „Tutor”, „Moderator”, „Besitzer” und „Redakteur” gehörten dazu. Daraus ergaben sich rund 1700 Sprachvariablen, die jeweils im konkreten Kontext auf der Bedienoberfläche betrachtet und überarbeitet werden müssen.
Die praktische Arbeit ist entsprechend kleinteilig und besteht unter anderem darin, den Einsatz einer jeden Sprachvariable per Screenshot zu dokumentieren, Varianten zu diskutieren, Vorschläge zu sammeln und schließlich zu einer Entscheidung zu kommen. Die beschlossenen Änderungen werden anschließend von der entsprechenden Authority für Sprache (ehemals Maintainer, also der Verantwortliche für die Pflege und Verwaltung der Sprache in ILIAS) in die aktuellste Sprachdatei aufgenommen.

Die leitende Frage ist dabei – meist innerhalb eines bestimmten ILIAS-Objekts oder –Services – welcher Begriff hier eigentlich sprachlich abgebildet werden soll. Ist diese oft knifflige Klärung und Vereinheitlichung erreicht, führen verschiedene Wege zum Ziel einer neutralen, präzisen und verständlichen Benennung.

Feature Wiki Eintrag zu Änderungen in der Sprachdatei für ILIAS 9

Sprachliche Lösungen in der Praxis

Die entwickelten Lösungen entfernen sich teilweise bewusst vom ursprünglichen Ausgangswort, etwa wenn aus einem unscharfen Wort wie „Benutzerdaten“ in einem Kurs die „personenbezogenen Angaben” wurden. Auch wenn solche Formulierungen länger sind, tragen sie zur Verständlichkeit bei.

In anderen Fällen erweist sich eine Umstellung des Satzbaus als hilfreich. Durch Passivkonstruktionen oder Umformulierungen lässt sich der Bezug auf bestimmte Personen oder Rollen ganz vermeiden, ohne erheblichen Informationsverlust. Häufig führt das sogar zu schlankeren Texten.

Wo Personenbezüge notwendig sind, kommen neutrale Bezeichnungen wie „Mitglied“, „Leitung“ oder „Moderation“ zum Einsatz. Ergänzend wurden Partizipialkonstruktionen wie „im Besitz von“ oder in E-Mails schlicht „Von:” eingeführt. Zeichen wie in „Expert*innen” wurden bewusst noch nicht eingesetzt – die breite Akzeptanz von ILIAS bei ganz verschiedenen Zielgruppen, die Deutsch als Systemsprache auswählen, soll weiterhin genauso gewährleistet sein wie die Wartbarkeit der Sprachdatei angesichts Sprachwandels und neuen Trends.

Zwei Beispiele aus dem ILIAS-Alltag

Konkret heißt das für einen Bezeichner wie den „Moderator“, der in ILIAS in 26 unterschiedlichen Kontexten vorkam, dass jeder Kontext eine dieser Lösungen erhielt. Er stand als Rolle auf Reitern, Buttons, in Überschriften, in Textboxen mit Erfolgsmeldungen etc.

Durch die Überarbeitung wurden diese Bedeutungen sprachlich entkoppelt. Aus „Moderatoren“ wurde etwa „Moderation“, aus „Moderatorenrolle entziehen“ schlicht „Entfernen“. Die Erfolgsmeldung „Der Benutzer wurde als Moderator hinzugefügt“ wurde zu „Die Person hat jetzt das Recht zu moderieren“. Der vorhandene Platz und übliche Regeln je nach Element der Bedienoberfläche beeinflussen dabei maßgeblich, was die Arbeitsgruppe für jeden Kontext entscheidet.

Reiter „Moderation“ in einem Forum mit angepassten Sprachvariablen

Beim Begriff „Tutor”, der in etwa 50 Kontexten verwendet wurde, musste noch umfangreicher und differenzierter erarbeitet werden, was alles in diesem Bezeichner steckt: Er hatte in viele Objekte Einzug gehalten, in denen er gar nicht die lokale Rolle bezeichnete wie es sie insbesondere im Kurs gibt. Hier musste Klarheit geschaffen werden und beispielsweise in der Übung oder im Blog nach passenderen Benennungen gesucht werden, die dort einen Begriff von zusätzlichen Rechten oder Pflichten sprachlich abbilden – im Blog die „Redaktion”.

Dort hingegen, wo tatsächlich die Rolle im Kurs gemeint ist, wurde mit „Kursbetreuung” eine neue Benennung eingeführt. Sie ist nicht nur neutral und inklusiv ist, sondern bezieht auch andere, hochschulferne Einsatzbereiche von ILIAS besser ein.

Schaubild zur Terminologiearbeit am „Tutor“ in ILIAS

Stand der Arbeiten und Ausblick

Bisher wurden über 40 maskuline Bezeichner diskutiert und annähernd 1000 Sprachvariablen überarbeitet. Seit Längerem gehören auch größere Baustellen dazu: Wörter wie „Benutzer“, „Teilnehmer“ oder „Administrator“ sind tief im System verankert und jeweils mit mehreren hundert Variablen verbunden. Diese Bereiche erfordern weitere konzeptionelle Entscheidungen und viele Ressourcen. Es gibt also noch viel zu tun!

Klar wird, dass inklusive Sprache in unserem LMS kein kurzzeitiges Projekt ist, sondern ein fortlaufender Prozess. Er lebt von fachlicher Klärung, Diskussion, guter Dokumentation und Transparenz und der Bereitschaft in der ILIAS-Community, gewachsene Strukturen zu hinterfragen.

Inklusive Sprache bedeutet in ILIAS nicht, dass überall neue Schreibweisen eingeführt werden. Gemeint ist vielmehr eine präzisere, bewusstere Sprache, die Funktionen konsistent beschreibt und niemanden ausschließt, egal ob durch fehlende Repräsentation oder sprachliche Barrieren. In diesem Sinne ist gute Sprache ein Teil guter digitaler Lehre und damit eine gemeinsame Aufgabe aller, die das System weiterentwickeln. Auch hier zeigt sich die Community einmal mehr von ihrer besten Seite.

Headerbild von: ILIAS Kompetenzzentrum, image by Freepik, background image by starline on Freepik 

  • Tags :Community
  • ILIAS
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